PHInanzielle Freiheit

Was tun beim „Crash“?

In letzter Zeit, legte mein Portfolio eine kleine Achterbahnfahrt hin. Nachdem ich, seit Beginn meines Investments, immer "im Plus" war, war mein ETF eine Zeit lang weniger Geld wert als ich investiert hatte. Das war für mich kein wirkliches Problem, weil ich mir über die Volatilität von Aktien bewusst bin und langfristig investiere. Einige Bekannte von mir und selbst der eine oder andere Börsenexperte, haben aber schon vom nächsten großen Crash gesprochen, damit hatten sie natürlich unrecht. Nachdem ich ein Freund einer rationalen Herangehensweise bin, halte ich es für sinnvoll, sich in ruhigen Zeiten darüber Gedanken zu machen wie man im Crash vorgehen sollte. An diesen Gedanken möchte ich dich teilhaben lassen.

Wann spricht man von einem Crash?

Betrachten wir als erstes die Wikipedia-Definition: „Als Börsenkrach (oder Börsencrash) wird ein extremer Kurseinbruch an der Börse bezeichnet. Er dauert einige Tage bis hin zu wenigen Wochen. In dieser Zeit dominieren – meist panikartige – Verkäufe, die einen großen Angebotsüberhang erzeugen und so zu drastisch fallenden Kursen führen.“

Wie kommt es zu diesen extremen Kurseinbrüchen?
Meistens durch das Platzen einer sogenannten „Blase“, oder bei unerwarteten Ereignissen, die sich negativ auswirken (die letzte Finanzkrise wurde durch die Insolvenz von Lehman Brothers verursacht).
Was im Zuge dieser Ereignisse passiert, nennt man „positive Rückkopplung“. Dadurch, dass Kurse zu fallen beginnen, werden einige Aktionäre „nervös“ und verkaufen auch ihre Anteile, um weiteren Verlusten vorzubeugen, was zu einem noch drastischerem Abfallen führt. Durch diesen noch stärkeren Abfall, wollen noch mehr Aktionäre ihre Anteile verkaufen. So kommt es zu einem „Teufelskreis“ der die Kurse, in relativ kurzer Zeit, enorm nach unten treibt.

Rationale Überlegungen

An der Börse läuft es wie in jedem anderen Markt ab: Aktienkurse sind von Angebot und Nachfrage abhängig. Wollen viele Menschen eine Aktie kaufen, steigt ihr Kurs, wenn niemand die Aktie haben will, fällt ihr Kurs.

Dieses Verhältnis von Angebot zu Nachfrage ist für jede Aktie unterschiedlich und hängt im Idealfall mit den Aussichten und der Entwicklung des Unternehmens zusammen. Im Idealfall.

Praktisch ist es nämlich so, dass es in regelmäßigen Abständen zu sogenannten Spekulationsblasen und Börsencrashs kommt.
Was ein Börsencrash ist, haben wir gerade besprochen.
Nun kurz zu einer Blase: Sie ist, wenn man so will, das genaue Gegenteil eines Crashs. Die Kurse steigen und steigen, auch wenn die zugrundeliegenden Unternehmen oft nicht das halten können was man sich von ihnen verspricht. Man nennt diese Aktien dann „überbewertet“. Ein Beispiel dafür wäre die dotcom-Blase, die im Jahr 2000 geplatzt ist. Über diese Blase habe ich bereits, im Blogartikel über die Fehler bei der Geldanlage, geschrieben. Irgendwann platzen diese Blasen und es kommt zu einem Einbruch der Aktienkurse – einem Crash.

So wie viele Aktien bei einer Blase überbewertet sind, sind auch bei einem Crash viele Aktien unterbewertet. Das heißt, dass der eigentliche Wert des Unternehmens höher ist als der momentane Aktienkurs. Genau das sind die Aktien, die aktive Investoren suchen und kaufen, weil sie davon ausgehen, dass ihr Kurs langfristig steigt und sich dem „wahren“ Wert des Unternehmens anpasst. Im Artikel über aktives Investieren, habe ich bereits dargelegt, warum es in der Regel für die meisten Menschen unmöglich ist langfristig die unterbewerteten Aktien zu finden. Deshalb investiere ich passiv und gebe mich mit der Durchschnittsrendite des Marktes zufrieden, der in Zeiten des Crashs in der Regel auch unterbewertet ist.

Aktien und T-Shirts

Der Wert und der momentane Preis einer Aktie, sind also nicht das gleiche und stimmen nicht immer überein. Vor allem bei Blasen und Crashs, kann es zu erheblichen unterschieden kommen.
Du kannst mir nicht ganz folgen? Kein Problem, vergleichen wir mal eine Aktie mit einem T-Shirt.

Wenn viele Menschen dieses T-Shirt haben wollen, steigt der Preis (Angebot und Nachfrage). Das ist in Ordnung und gut so, wenn das T-Shirt eine gute Qualität hat und aus einem guten Stoff ist.
Es gibt allerdings auch T-Shirts die nur wegen eines gerade modernen Designs gekauft werden, was ebenfalls den Preis in die Höhe treibt, auch wenn die Qualität nicht unbedingt die beste ist. Man könnte hier, augenzwinkernd, von einer „T-Shirt-Blase“ sprechen. Wenn dieses Design im nächsten Jahr nicht mehr modern ist, wird die Blase „platzen“ und die Preise der T-Shirts werden sinken, weil keine Nachfrage mehr da ist.

Beachte: Das T-Shirt ist immer das selbe, egal ob die Nachfrage groß oder klein ist. Wenn es dir gefällt sollst du es kaufen, vorausgesetzt der Preis ist in Ordnung.
Jetzt stelle ich eine Frage deren Antwort ich bereits kenne: Würdest du das T-Shirt, das dir gefällt und in dem du dich wohl fühlst, lieber zum Höchstpreis oder im „Sale“ kaufen? – Natürlich im Sale! Dieses T-Shirt gefällt dir, hat für dich also einen bestimmten Wert, nur möchtest du für diesen Wert einen möglichst geringen Preis zahlen.
Jeder Mensch denkt hier gleich. Bei Aktien allerdings denken die meisten Menschen anders.

Wenn die Aktienkurse steigen und die Aktien immer teurer werden, wollen immer mehr Menschen Aktien kaufen. Erinnern wir uns: Der Preis steigt mit der Nachfrage.
Wenn die Aktienkurse fallen, verkaufen die meisten ihre Aktien.
Wie schon erwähnt: Beim T-Shirt es es umgekehrt: kaum jemand kauft wenn es teurer wird, aber wenn es billiger wird, wollen mehr Leute es haben.

Aber auch wenn sich der Preis (Kurs) einer Aktie ändert, bleibt der Wert der gleiche. Am Unternehmen (Gewinnerwartungen, Philosophie, etc.) selbst ändert sich ja nichts, auch wenn die Aktie gerade um zwei Prozent gestiegen oder gefallen ist ist. Genauso wie sich an dem T-Shirt nichts ändert, wenn es teurer oder billiger wird.

Warum kaufen die meisten Menschen, Aktien wenn sie gerade „in Mode“ sind und nicht im „Sale“?

„Der Preis ist was du zahlst, der Wert ist was du bekommst.“

Warren Buffet

Lasse dich beim Investieren nicht von Emotionen leiten!

Emotionen sind wichtig. Sie sind ein essentieller Bestandteil des Lebens und machen uns als Menschen aus.
Dennoch sind sie beim Investieren nicht dein Freund und das Letzte worauf man sich, bei einer Investitionsentscheidung, verlassen sollte, ist ein Gefühl.

Geld zu verlieren ist ein furchtbares Gefühl. Man muss sich nur vorstellen, dass man 10.000€ investiert hat und die Kurse um 50% einbrechen. Der Betrag den man bekommen würde, wenn man jetzt alles verkaufen würde, wäre also nur noch 5000€. Das tut weh. Sehr weh sogar. Schon bei diesen Beträgen ist es, für den durchschnittlichen Menschen, schwer rationale Überlegungen zu treffen. Unmöglich ist es dann beispielsweise wenn man 100.000€ investiert hat und 50.000€ eingebüßt hat (10.000€ mehr als das Brutto-Jahreseinkommen in Österreich).

Wir wollen aber cool, rational und emotionslos an die Sache herangehen.
Damit das möglich ist, dürfen wir uns nicht erst bei einem Crash Gedanken machen, sondern müssen schon davor, in Ruhe und emotionslos über unser Vorgehen nachdenken, wenn ein Crash kommt. Irgendwann kommt er bestimmt.
Ob du durch diesen Crash gewinnst oder verlierst, liegt allein an dir!

Wir wollen cool, rational und emotionslos an die Sache herangehen!

PHInanzielle Freiheit

Verhalten beim Crash

Kommen wir zu einem der wichtigsten Grundsätze eines passiven Investors: „Buy and Hold“. „Kaufen und halten!“

Denken wir nochmal darüber nach was die Kurse während eines Crashs bedeuten. Nicht so viel wie sonst. Sie liegen oft unter dem wahren Wert eines Unternehmens. Deshalb ist ein Crash, für uns Investoren, die größte Chance, um in Zukunft eine gute Rendite zu erzielen. Ein Crash ist der „Sommerschlussverkauf“ an der Börse.
Deshalb sollte man, wenn man gut diversifiziert ist, auf keinen Fall verkaufen, sondern einfach ohne viel zu überlegen, weiter in seinen Sparplan investieren. Am leichtesten, fällt das vermutlich wenn man nicht täglich die Aktienkurse checkt, das versaut einem nur den Tag.

Aber seien wir ehrlich: Hin und wieder, wird man schon wissen wollen wie es gerade, um die eigenen Aktien steht und die aktuellen Kurse „checken“. Gerade dann ist es wichtig sich vor Augen zu führen, dass es schon viele Crashs gab und es danach immer wieder nach oben ging, man muss das Ganze nur mit viel Geduld und Willenskraft aussitzen.

Jemand der schon länger am Aktienmarkt aktiv ist und eine gewisse Ruhe erlangt hat, wird diesen Crash oft nicht nur „aussitzen“ sondern sogar den Betrag erhöhen, mit dem er in Aktien investiert, um später stärker, von der Aufwärtsbewegung, zu profitieren. Er möchte im „Sale“ kaufen und nicht nur wenn es teuer ist.

Selbstverständlich ist es möglich, dass die eine oder andere Firma pleite geht, deshalb ist ein breit diversifiziertes Portfolio gerade hier enorm wichtig. Eine Möglichkeit in ein solches zu investieren bieten ETFs, mit denen man unkompliziert einen ganzen Index abbilden kann.

Fazit

  • Als Crash bezeichnet man einen starken Kurseinbruch an der Börse, häufig verursacht durch das Platzen von Blasen.
  • Aktienkurse sind von Angebot und Nachfrage abhängig. Der Preis und der Wert einer Aktie sind nicht das Gleiche (siehe T-Shirt Vergleich).
  • Versuche deine Emotionen beim Investieren möglichst auszublenden.
  • Mach dir schon in „ruhigen“ Zeiten Gedanken darüber wie du im Crash vorgehen möchtest.
  • Denke daran, dass es bis jetzt nach jedem Crash noch stärker nach oben ging.
  • Behalte im Crash deine Strategie bei und halte dich an den „Buy-and-Hold“-Grundsatz

Damit bin ich schon wieder am Ende des Artikels. Ich hoffe du konntest etwas dazu lernen und bist nach dem Lesen ein bisschen besser auf einen Crash vorbereitet als davor.

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