PHInanzielle Freiheit

Synthetische Replikation

Wieso ist es so leicht mit dem Kauf von einem ETF einen ganzen Index, der teilweise aus weit über 1000 Aktien besteht, abzubilden? Wie funktioniert das Ganze? Wer entscheidet, welche Aktien gekauft werden? Im ersten Teil haben wir uns mit der physischen Replikation auseinander gesetzt, schauen wir uns jetzt die synthetische Replikation an.

Synthetische Replikation (SWAP) – „Warum einen Index nachbauen, wenn man die Rendite auch tauschen kann?“

Diese Form der Replikation nimmt in ihrer Häufigkeit über die letzten Jahre kontinuierlich ab. Dennoch hat sie, in bestimmten Bereichen, ihre Berechtigung.

Bei der synthetischen Replikation, muss im ETF keine einzige Aktie, die im zugrundeliegenden Index vertreten ist, tatsächlich vorhanden sein.
Dadurch wird es ermöglicht in große Indizes oder illiquide Märkte zu investieren. Das wäre ansonsten viel zu teuer und würde unsere Rendite auffressen.

„Aber der ETF soll doch den Index abbilden, wie soll das gehen, wenn er die Aktien gar nicht besitzt?!“
Genau, deshalb arbeitet der ETF-Betrieber mit einem sogenannten Tauschpartner oder „Kontrahenten“ (meistens eine Bank) zusammen.
Was da vorgeht, schauen wir uns jetzt an!

SWAP

SWAP kann man mit dem Wort „Tausch“ übersetzen.
Ein ETF-Betreiber investiert das Geld der Anleger in ein sogenanntes „Träger-Portfolio“. Dieses Portfolio muss sich nicht zwingend aus Aktien des eigentlichen Index zusammensetzen, sondern kann aus allen möglichen Firmen bestehen.
Der Kontrahent verspricht dem ETF-Anbieter, dass er die Rendite des Index, im Tausch gegen die Rendite des Träger-Portfolios und eine Gebühr, liefert.

Beispiel:
Wir stellen uns einen ETF-Anbieter (A) und einen Kontrahenten (B) vor.
Die beiden schließen einen SWAP-Vertrag miteinander.

Der ETF-Anbieter besitzt ein Trägerportfolio im Wert von 10000€. Der Kurs der Aktien im Index besitzt ebenfalls einen Wert von 10000€.

Nach einem Jahr hat das Trägerportfolio einen Wert von 10500€ (Rendite: 500€), der Index einen Wert von 10600€ (Rendite: 600€).

Das heißt B zahlt A 600€, während A an B 500 Euro überweist. Die beiden haben also gerade „geswapt“.

Durch diesen Tausch bekommt der ETF und somit auch die Anleger genau die Rendite, die der Index erzielt hat. (Der Tracking Error, über den ich im letzten Blogeintrag geschrieben habe, ist hier also extrem gering bzw. nicht vorhanden)
Durch diese Methode, kann Geld gespart werden, da die Transaktionskosten geringer sind, als bei der physischen Replikation.

Falls das zu kompliziert war, gibt es ein YouTube Video, in dem die synthetische Replikation erklärt wird.

SWAP – einfach erklärt

Kontrahentenrisiko

„Die beiden Tauschen also. Dabei müsste es ja um relativ große Summen gehen, was ist, wenn einem das Geld ausgeht? Verliere ich dann die ganze Rendite?“

Aufgrund von gesetzlichen Regelungen darf der Unterschied zwischen den SWAP-Werten, die getauscht werden, nicht mehr als 10% betragen.
Hätte das Trägerportfolio einen Wert von 1000€ und der Index einen Wert von 1100€, muss spätestens zu diesem Zeitpunkt „geswapt“ werden, damit diese 10%-Grenze eingehalten wird.

Diese Regelung wurde beschlossen, um das „Kontrahentenrisiko“ zu reduzieren.
Kontrahentenrisiko bedeutet, dass der Tauschpartner nicht in der Lage ist, seine Zahlung zu tätigen (z.B. weil er bankrott ist).

Es gibt noch eine weitere Möglichkeit um das Risiko zu reduzieren. Der SWAP-Kontrahent kann durch den Kauf von sicheren Anleihen die Risikosumme abdecken.
Das bedeutet also, dass der Wert der Anleihen den Unterschied zwischen der Renditen des Index und des Träger-Portfolios übersteigt und es so nicht zu einem Zahlungsausfall kommen kann.

Auch zur Erklärung des Kontrahentenrisikos gibt es ein hervorragendes Video.

Zusammenfassung/Fazit

In der folgenden Tabelle sind nochmal die Unterschiede der besprochenen Methoden angeführt.

Vollständige ReplikationSamplingSynthetische Replikation
Beschreib ungIndex wird 1:1 nachgebildetSample von Aktien aus dem IndexSWAP
Anzahl
Aktien im
Index
HochMittelGering bis
Hoch
KontrahentenrisikoNeinNeinJa

Auch wenn sich das Risiko bei der synthetischen Replikation in Grenzen hält, bin ich eher ein „Fan“ der physischen Replikation. Allerdings kann ein synthetisch replizierender ETF bei einem Markt sinnvoll sein, wenn der Markt wenig liquide ist (z.B. in Schwellenländern) oder in einem Index viele Aktien vorkommen.

Die Entscheidung, welche Form der Replikation beim eigenen ETF bevorzugt wird, muss jeder für sich treffen. Ich hoffe allerdings, dass dir die Wahl durch das vermittelte Wissen in diesem Artikel erleichtert wurde.

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