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Nachhaltiges Investieren

Kaum ein Wort hat das Jahr 2019 so sehr geprägt wie das Wort Nachhaltigkeit. Dieser Trend findet auch beim Investieren Einzug. Aber halten "nachhaltige Investments" wirklich das was sie versprechen? Wie schaut es mit der Rendite von nachhaltigen ETFs im Vergleich zu den "Standard-ETFs" aus? Ich möchte dich an meinen Gedanken zum nachhaltigen Investieren teilhaben lassen.

Inhalt

Was ist nachhaltiges Investieren?

Bei einer „Standardinvestition“, geht es vor allem um drei Ziele: Rendite, Sicherheit und Verfügbarkeit.
Beim nachhaltigen Investieren wird, wie der Name schon sagt, zusätzlich Wert auf Nachhaltigkeit bzw. ethische Korrektheit geachtet.

Wie investiert man nachhaltig?

Sparen bei Alternativen Banken

In einigen Ländern gibt es mittlerweile sogenannte Alternative Banken, die die Einlagen der Kunden nur für Kredite, mit einem nachhaltigen Zweck (ökologisch, sozial, etc.) verwenden.

Die Zinsen dieser Banken sind aber ähnlich schlecht wie die der Standardbanken. Das heißt, dass diese Anlagemöglichkeit sich nicht wirklich für den Vermögensaufbau eignet.

Alternative Fonds und Einzelaktien

Natürlich kann man auch in einzelne Unternehmen (aktiv) oder Indizes (passiv) investieren, die den diversen Nachhaltigskeitskriterien entsprechen.

Gerade beim aktiven Investieren, bedeutet das nachhaltige Auswählen von Aktien einen zusätzlichen Aufwand. Der Grund dafür liegt in der Tatsache, dass man zusätzlich zur „normalen“ Unternehmensanalyse auch noch eine „Nachhaltigkeitsanalyse“ durchführen muss, also darauf achten muss, ob ein Unternehmen, von dem man sich eine gute Rendite erwartet, auch nachhaltig agiert.

Einem passiven Investor wird es durch sogenannte ESG-Fonds (Environment (E), Social (S), Governance (G)) ermöglicht zu investieren. Im Idealfall wählt man hier keinen aktiv gemanagten Fonds (oft sehr hohe Gebühren), sondern entscheidet sich auch hier für die passive Variante mit einem ETF.

Prinzipien des Nachhaltigen Investierens

Ausschlusskriterien

Das ist der am meisten logische Ansatz. Anleger investieren hier ihr Geld einfach nur in Unternehmen oder ETFs, die ihren Nachhaltigkeitskriterien entsprechen und schließen eine Investition in Firmen/ETFs aus, wenn sie den Ansprüchen nicht genügen.
Häufig werden Firmen ausgeschlossen die Waffen, Zigaretten, etc. produzieren. Weitere Ausschlussgründe Arbeitsbedingungen die Menschenrechte verletzen und so weiter.

Best-in-Class Prinzip

Bei diesem Ansatz, werden alle Unternehmen einer Branche verglichen und anhand von Nachhaltigkeit bewertet. Investiert wird nur in die, die hier am besten abschneiden.
Warum das problematisch ist, werde ich später beleuchten.

Best-in-Progress Prinzip

Wie der Name schon sagt, wird beim Best-in-Progress Prinzip in die Unternehmen investiert, die sich im Hinblick auf Nachhaltigkeit am meisten gesteigert haben.

Einwirkung auf das Unternehmen

Wie ich in dem Artikel über die Aktie bereits erklärt habe, erhält ein Aktionär eines Unternehmens das Recht bei der Jahreshauptversammlung, über das weitere Vorgehen des Unternehmens, abzustimmen.
Dieses Stimmrecht kann beispielsweise dafür verwendet werden, um nachhaltige Anliegen durchzusetzen.

Natürlich muss man die Kirche hier im Dorf lassen. Als „kleiner“ Privatinvestor, besitzt man in der Regel nicht ausreichend Aktien eines Unternehmens, um im Alleingang den Kurs des Unternehmens zu ändern. Diese Möglichkeit bleibt den Großinvestoren vorbehalten.

Wie nachhaltig ist das Ganze wirklich?

Wann ist etwas nachhaltig und wann nicht?

Denken wir kurz darüber nach was wir zu einem Investment in einen Energiekonzern der ausschließlich Windräder betreibt aus der Nachhaltigkeits-Perspektive sagen würden. 100% Energie aus erneuerbaren Energiequellen. Klingt wahnsinnig nachhaltig oder?

Durch Windräder werden allein in Deutschland tausende Vögel getötet -unter anderem auch vom Aussterben bedrohte Arten. Natürlich ist das mengenmäßig kein Vergleich zur Fleischindustrie. Trotzdem würden hier manche Menschen die Nachhaltigkeit von Windrädern schon bezweifeln.
Da beginnt auch schon das Problem: Wer entscheidet ab wann etwas nachhaltig ist oder nicht?

Bei vielen Fondsgesellschaften, sind die Nachhaltigkeitsprinzipien sehr schwammig formuliert oder intransparent. Das wird in diesem Zeitungsartikel gut beleuchtet.

Das Problem bei „best-in-class“

Beim best-in-class Prinzip wird, wie oben bereits erklärt, in die nachhaltigsten Firmen einer Branche investiert.
Ganz nach dem Motto: „In einer Schulklasse mit lauter schlechten Schülern, ist der am wenigsten schlechte Schüler schlau!“

Hier stellt sich dann schon die Frage warum ein Unternehmen, dass ausschließlich Waffen oder Zigaretten herstellt, Teil einer nachhaltigen Investmentstrategie sein soll, nur weil es weniger schlimm als seine Konkurrenz ist.

Schauen wir uns einen gängigen Index an, der als nachhaltig bezeichnet wird: MSCI World ESG Screened. Die größten Positionen in diesem Index sind: Microsoft, Apple, Amazon, Facebook, Alphabet (Google), JPMorgan, Nestle, Johnson&Johnson, Visa.

Moment!? – Nestle? Amazon? Facebook? JPMorgan? (verlinkt sind Artikel über Skandale der jeweiligen Firma in den letzten Jahren)
Wenn man sich diese Links ansieht, erscheint die Aufnahme in einen Index für Nachhaltigkeit zumindest fragwürdig.
Wenn man zusätzlich über die Arbeitsbedingungen bei Amazon oder die Modelle, zur Umgehung von Steuern, all dieser Firmen denkt, wird es noch „interessanter“. Das nahezu komplette Umgehen von Steuern, wie es von diesen Firmen praktiziert wird, ist vielleicht clever und gewinnsteigernd, aber sicher nicht nachhaltig.

Wenn man also nach einem nachhaltigen ETF sucht, sollte man sich zumindest die Unternehmen anschauen, die in dem zugrundeliegenden Index gelistet sind und sich erst dann für eine Investition entscheiden, wenn man mit deren Geschäftspraktiken einverstanden ist.

Wie wirkt sich nachhaltiges Investieren auf die Rendite aus?

Jemand der in Aktien oder ETFs investiert, macht das in der Regel nicht ausschließlich aus Nachhaltigkeitsgründen, sondern um eine Rendite zu erzielen und so sein Vermögen zu steigern. Deshalb stellt sich vielen die Frage , wie sich nachhaltiges Investieren auf die Rendite auswirkt.

Vergleich von nachhaltigen ETFs mit nicht-nachhaltigen

Um diese Frage zu beantworten, habe ich gängige Nachhaltigkeits ETFs (iShares MSCI World ESG Screened UCITS ETF USD Acc, Amundi Index MSCI World SRI UCITS ETF DR C, iShares Dow Jones Global Sustainability Screened UCITS ETF) mit einem Standard-ETF auf den MSCI World verglichen.

Hier trat schon das erste Problem auf: Der Trend zum nachhaltigen Investieren ist relativ jung. Deshalb gibt es nur einen der nachhaltigen ETFs länger als ein Jahr.
Ich habe bereits in meinem Artikel über die Auswahlkriterien für einen ETF geschrieben, dass ich auf jeden Fall einen älteren Index bevorzugen würde. (zumindest älter als drei Jahre, im Idealfall älter als fünf)
Deshalb scheiden die zwei „Baby“-ETFs aus dem Vergleich aus und übrig bleibt nur noch der iShares Dow Jones Global Sustainability Screened UCITS ETF.

MSCI World (Standard Index)Nachhaltiger Index
GesellschaftBlackRockBlackRock
Geografische LageGlobalGlobal
Auflagedatum25.09.200919.07.2011
Fondsvolumen18.041 Mio. €193 Mio. €
Ausschüttungsartthesaurierendthesaurierend
Replikationoptimiertoptimiert
TER0,20%0,60%
Unternehmen1650541

Die beiden ETFs sind sich in vielen Aspekten sehr ähnlich, in den wirklich wesentlichen, gibt es aber durchaus Unterschiede.

Gemeinsamkeiten

Geographische Lage, Volumen, Alter

Beide Fonds investieren global, haben ein Volumen von über 100 Millionen € und existieren länger als 5 Jahre. – Perfekt!

Verwendung von Dividenden

Beide ETFs sind thesaurierend (Dividenden werden automatisch wieder investiert). Dadurch fällt die Arbeit weg, die man beim manuellen reinvestieren hätte und zusätzlich gibt es dadurch steuerliche Vorteile.

Replikation

Die Replikation erfolgt physisch mit optimierten Sampling, welches ich gegenüber einer synthetischen Replikation bevorzuge.

Bis hierhin, sind die beiden absolut gleichwertig. – Gehen wir nun auf die Unterschiede ein.

Unterschiede

Diversifikation

Ein erheblicher Unterschied der beiden Indizes, besteht in der Anzahl der Unternehmen.
Im Standard-Index, sind drei Mal mehr als im nachhaltigen Index vertreten. Durch eine Investition in den nachhaltigen Index, muss man also zumindest teilweise auf eine breite Diversifikation verzichten.
Gerade diese ist aber der große Vorteil des passiven Investieren mit ETFs. Hier finden wir also schon einen großen Nachteil des nachhaltigen Fonds.

Kosten (TER)

Ein weiterer, nicht zu vernachlässigender Punkt, ist die TER (Total Expense Ratio). In dieser sind ein Großteil der jährlichen Gebühren enthalten, die man für einen ETF bezahlen muss. Diese Kennzahl ist beim nachhaltigen Fonds dreimal höher.
Ich bin bereits in meinem Artikel über die „Macht“ von 1% darauf eingegangen, dass auch kleine prozentuelle Unterschiede, einen erheblichen Einfluss auf das Gesamtergebnis haben.

Rechnen wir das mit einem Beispiel durch. Dafür gehen wir von einer monatlichen Anlagesumme von 100€ über 45 Jahre (von 20 bis zur Rente) mit einer durchschnittlichen Jahresrendite von 4% aus. (siehe entsprechende Links)

Wenn wir in den nachhaltigen Fonds mit 0,6% TER investieren, würden wir am Ende der 45 Jahre über 166.407,19€ verfügen- nicht schlecht! (zur Berechnung)
Was wäre aber, wenn wir in den Standard-Index mit einer jährlichen TER von 0,2% investiert hätten? Hier hätten wir 187.302,31€ zur Verfügung (zur Berechnung).


Die 0,4% Unterschied bei der TER würde also am Ende einer 45 jährigen Geldanlage, unter den oben angenommenen Bedingungen, eine Differenz von circa 20.000€ ausmachen. – Für mich ist das ein klarer Grund, sich für den billigeren ETF zu entscheiden.

Rendite (ohne berücksichtigung der TER)

MSCI World (Standard Index)Nachhaltiger Index
1 Jahr+4,20%+4,37%
3 Jahre+33,58+32,83
5 Jahre+62,88+51,01%

Hier sieht man, dass sich die ETFs, vor allem in den letzten drei Jahren, sehr ähnlich entwickelt haben. Wenn man allerdings auf die Entwicklung der letzten fünf Jahre achtet, wird auch hier ein deutlicher Vorteil für den Standard-Index bemerkbar. Noch deutlicher wäre der Vorteil, wenn man die TER und sonstige Gebühren berücksichtigen würde.
Das heißt also, dass es sich auch vom Standpunkt der Rendite lohnt, in den „normalen“ Index zu investieren.

Zusammenfassung/Fazit

  • Der Nachhaltigkeitsgedanke findet auch beim Investieren Einzug
  • durch eigene ETFs ist auch passives und nachhaltiges Investieren möglich
  • oft sind die Kriterien für Nachhaltigkeit nicht präzise definiert
  • wenn man wert auf ein nachhaltiges Investment mit ETFs legt, sollte man sich, die im Index enthaltenen Firmen genauer anschauen
  • Nachhaltigkeit geht auf Kosten der Diversifikation
  • ESG-ETFs sind oft teurer als die „Standard-ETFs“ und haben häufig eine schlechtere Rendite

Den Nachhaltigkeitsgedanken finde ich generell sehr gut. Es wäre wünschenswert, wenn es für Fonds einen global gültigen Kriterienkatalog geben würde, der festlegt, welche Unternehmen nachhaltig sind und welche nicht.
Durch die beliebige Auswahl von Nachhaltigkeitskriterien, finden sich in den meisten „nachhaltigen“ Fonds Unternehmen, die meiner Ansicht nach, definitiv nicht nachhaltig agieren.
Somit ist zum heutigen Zeitpunkt nachhaltiges Investieren nahezu unmöglich, wenn man dafür nur begrenzte Zeit aufbringen möchte. Abgesehen von dem Zeitargument, spricht auch die Rendite eher gegen ein nachhaltiges Investment.

Aus diesen Gründen, setze ich weiterhin auf die breiter diversifizierten Standard-ETFs, wie beispielsweise den MSCI World.

Was hältst du vom nachhaltigen Investieren? Ich freue mich darauf deine Meinung zu hören!

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Philipp

Philipp

Philipp ist Mitte 20 und am Ende seines Medizinstudiums. Er setzt sich schon seit mehreren Jahren mit den Themen Finanzen und Geldanlage auseinander. 2019 hat Philipp sich dazu entschlossen, einen Blog über diese Themen zu starten, um auch andere Menschen zu motivieren, ihre Finanzen in die eigenen Hände zu nehmen.

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Ich bin Mitte 20 und studiere Medizin. Auf meinem Blog findest alles rund um die Themen finanzielle Freiheit und Geldanlage!

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