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PHInanzielle Freiheit

Nimm dein Geld in deine Hände!

Aktien kaufen und bald wieder verkaufen. Genau das stellen sich die meisten Menschen vor, wenn sie an die Börse und Aktienhandel denken. Warum diese Strategie, die, leider immer noch, von vielen Anlegern angewendet wird, nicht unbedingt zu guten Renditen führt, wirst Du hier erfahren.

Inhalt

Die meisten Anleger an der Börse sind aktive Investoren. Entweder investieren sie ihr Geld selbst, oder sie legen ihr Geld, in einem aktiv gemanagten Fond, an.
Was sind die Vorteile bzw. Nachteile beim aktiven Investieren?

Analyse von Unternehmen -„Das dauert!“

Einer der bekanntesten aktiven Investoren ist Warren Buffet. – Was macht der eigentlich?
Aktive Investoren suchen gezielt (mit allen möglichen Kriterien) nach Aktien, von denen sie glauben, dass sie sich besser entwickeln als der Durchschnitt (eine höhere Rendite oder „Outperformance“ erzielen). Sie wollen den Markt bzw. den Index also „schlagen“.

Für die aktive Strategie muss man sich also mit einzelnen Unternehmen beschäftigen und diese, anhand von verschiedenen Kennzahlen, analysieren. Das nimmt natürlich, vor allem am Anfang, sehr viel Zeit in Anspruch.
Auf der anderen Seite kann das, für jemanden der sich für Wirtschaft interessiert, ausreichend Zeit hat und ein tieferes Verständnis für Zusammenhänge an der Börse erlangen möchte, sehr spannend sein.
Bis man sich in diese, teilweise komplexen, Themen eingearbeitet hat, können aber durchaus Monate bis Jahre vergehen.

Nachdem ein aktiver Inverstor ein Unternehmen genau analysiert hat, entscheidet er sich für oder gegen das Kaufen einer Aktie. Das heißt er trifft eine eigene Entscheidung darüber ob und in welche Aktien er sein Geld investiert.

Ordergebühren – „Nichts im Leben ist gratis!“

Beim Kauf von Aktien eines Unternehmens wird eine sogenannte Ordergebühr fällig ( meistens zwischen 5-10€). Diese Gebühr zahlt man immer, egal ob man eine, zehn oder tausend Aktien kauft.

Wenn wir jetzt zum Beispiel von einer Ordergebühr von 5€ ausgehen, bedeutet das, dass wir für den Kauf einer Aktie die momentan 10€ wert ist, 15€ bezahlen müssten (also zahlen wir hier nochmal 50% des Kaufpreises drauf).
Daraus wird klar, dass es hier sinnvoller ist, gleichzeitig mehrere Aktien eines Unternehmens zu kaufen. Würden wir nämlich 10 Aktien kaufen, würden wir für diese 105€ bezahlen (hier wären die Ordergebühren nur noch 5%).

Man muss bedenken, dass diese zusätzlichen Gebühren die Rendite schmälern.
Zur Veranschaulichung: Wir kaufen 10 Aktien zum Kurs von 10€ (10€*10 = 100€). Dazu kommen noch die Ordergebühren (5€ in diesem Fall also 5% des Kaufpreises).
Nach einem Jahr ist der Wert der Aktie um 2% gestiegen. Wir freuen uns über das kluge Händchen, das wir bei der Auswahl bewiesen haben, immerhin haben wir gerade 2€ „verdient“. Aber sollten wir uns wirklich freuen?
Die 10 Aktien, die wir zum Wert von 100€ gekauft haben, sind jetzt also 102€ wert (2% von 100€ = 2€). Wir haben aber eben nicht nur die 100€, sondern, wegen den Ordergebühren, 105€ gezahlt.
Das heißt, in Wirklichkeit hätten wir, trotz der Wertsteigerung der Aktien, noch keinen Gewinn, sondern 3€ „Verlust“ gemacht, wenn wir direkt wieder verkaufen würden (der Einfachheit halber, lassen wir die Kosten für einen Verkauf von Aktien und die Steuer weg).
Deshalb müssen wir noch warten und hoffen, dass die Aktie in den nächsten Jahren weiter steigt, bis wir die 5€ für die Ordergebühren „zurück“ haben.
Eigentlich haben wir uns vorgenommen, jeden Monat für 100€ Aktien zu kaufen, aber am Beispiel oben sieht man, dass es besser wäre 10 Monate lang, monatlich 100€ zu sparen und dann mit den 1000€ die Aktien zu kaufen.


Man sieht an diesem Beispiel schön, dass es relativ wenig Sinn macht mit kleinem Startkapital aktiv Geld anzulegen.

Diversifikation „All-In, aber bitte nur beim Poker

Auch eine ausreichende Diversifikation ist beim aktiven Investieren schwieriger, weil man (wie oben angeführt) relativ viel Geld braucht, um gleich mehrere Aktien, von verschiedenen Firmen, zu kaufen.
„Diversifikation? Schon wieder so ein kompliziertes Wort!“ Klingt kompliziert, ist aber relativ leicht erklärt und unglaublich wichtig bei der Geldanlage.

Diversifikation bedeutet in diesem Fall, dass man das Risiko auf mehrere Aktien aus verschiedenen Ländern, Branchen, usw. gleichzeitig aufteilt. Dadurch wird das Risiko eines Verlustes reduziert.
Immer noch zu kompliziert? Warum soll das Risiko dadurch reduziert werden?

Ein einfaches, wenn auch nicht ganz richtiges, Beispiel:
Wir gehen einmal wöchentlich zu einem Markt um Lebensmittel einzukaufen.
Dort kann man immer nur ganze Körbe (verschiedene Aktien) mit den Lebensmitteln erwerben. Es gibt jede Woche insgesamt 100 Körbe zu kaufen. Das Obst, das ganz oben liegt, ist natürlich immer das schönste, aber aus den letzten Jahren wissen wir, dass die Lebensmittel weiter unten in circa 40% von diesen 100 Körben meistens nicht mehr besonders frisch sind (40 von den 100 Aktien werden in den nächsten Jahren nur wenig an Wert steigen, oder sogar Wert verlieren).
Wenn wir jetzt nur einen Korb kaufen, dann haben wir ein Risiko von 40%, dass wir einen von den schlechten Körben erwischen (also unser Geld weniger wird oder gleich bleibt).
Also gibt es mit einem Risiko von 40% in der nächsten Woche nichts Gutes zu Essen. Das wollen wir natürlich nicht riskieren.


Was können wir dagegen machen, außer Pizza zu bestellen?
Schauen wir was passiert, wenn wir noch einen Korb kaufen würden:
Wir hätten zwei Mal ein Risiko von 40% einen schlechten Korb zu erwischen. Natürlich beträgt das neue Risiko jetzt nicht 80% (40%+40%), sondern 16% (40%*40% = 0,4*0,4 = 0,16).
Das heißt, durch den Kauf eines zweiten Korbes (einer zweiten Aktie) konnten wir das Risiko schon deutlich senken.

Was passiert, wenn wir 10 Körbe kaufen würden? Das Risiko dafür, nur schlechtes Obst zu kaufen, wäre jetzt 0,01%. Das bedeutet, dass wir statistisch gesehen 9.999 Wochen (192 Jahre!) etwas zu Essen haben, bevor wir eine Woche auf unser Essen verzichten müssten.
Dieses Risiko ist erträglich und hin und wieder schadet es uns sicher nicht ein bisschen weniger zu essen ;).

Wir konnten also das Risiko durch den Kauf von mehreren Körben reduzieren. (Wenn Du das nächste Mal einkaufen gehst, sollst du natürlich nicht wirklich 10 Körbe kaufen. So viel kann kein Mensch essen und es kostet nur Geld, das wir eigentlich sparen wollen ;).)

Bei Aktien ist das natürlich nicht ganz so leicht, weil wir ja nicht wissen, wie viel Prozent sie sich nach oben/unten entwickeln. Aber auch hier gilt, dass eine Investition in eine Aktie ein höheres Risiko mit sich bringt, als das Aufteilen der Investitionssumme auf mehrere Aktien.

Zum Thema Diversifikation finde ich ein Zitat Rudyard Kipling (britischer Schriftsteller – Dschungelbuch) sehr passend: „Wir müssen größere, stärkere Risiken, mit den größten und stärksten Vorsichtsmaßnahmen auf uns nehmen.“

Market Timing – „Der beste Hellseher ist der, der gut raten kann“

Was bedeutet Market Timing?
Beim Market Timing wird versucht Aktien zu verkaufen, wenn die Kurse den höchsten Stand haben und zu kaufen, wenn der Kurs am niedrigsten ist.

Wenn man in der Lage wäre zu wissen, wann Kurse steigen und fallen, würde sich das sehr positiv auf die Rendite auswirken.
Vielleicht ist Dir auch schon aufgefallen, dass man an einem Tag in der Zeitung liest, dass die nächste Finanzkrise unmittelbar bevorsteht, nur um eine Woche später zu lesen, dass momentan die beste Zeit ist um in Aktien zu investieren, weil es vermutlich zu einer enormen Wertsteigerung kommen wird. Scheinbar ist es also nicht so leicht vorherzusagen, wann Aktienkurse steigen bzw. fallen.

An der Duke University wurde eine Studie durchgeführt, bei der Investmentnewsletter über 12 Jahre hinweg die durchschnittlichen Renditen des S&P500 (Index für amerikanische Aktien) für das folgende Jahr vorhersagen sollten. Es wurden insgesamt 15.000 Empfehlungen abgegeben.
Die Analysten sind gescheitert. Die Korrelation zwischen ihren Schätzungen und der tatsächlichen Entwicklung war bei manchen Newsletter sogar unter 0.
Diese Gruppe von Menschen ist in der Regel allerdings klug und verfügt über die meisten Informationen. Und trotzdem versagen sie.

Im Bezug auf Wahrsager, die regelmäßig Interviews für Magazine geben und von dem nächsten Crash oder auch dem nächsten Hoch sprechen, möchte ich Norman R. Augustine (ehemaliger Verteidigungsminister der USA) zitieren: „Wenn Aktienmarkt-„Experten“ wirklich Experten wären, würden sie Aktien kaufen, anstatt Analysen zu verkaufen.“

Überrendite – „Können wir überhaupt besser sein als der Markt?“

Bei allen Nachteilen dieser Strategie ist es ein Vorteil, dass man den Markt, zumindest theoretisch, schlagen kann, also mehr Rendite erzielen kann, als man es mit einer passiven Investition in einen Index (siehe nächster Blogartikel) erreichen würde.
Leider schaffen das aber nur die wenigsten Investoren über einen langen Zeitraum, die meisten aktiven Investoren erzielen langfristig sogar schlechtere Renditen, als passive Investoren.

Die Auswirkungen von aktiven Handeln auf die Rendite wurde im Jahr 2000, in einer Studie, von Wissenschaftlern untersucht. Die Anleger wurden in 5 Gruppen geteilt (Gruppe 1 hat am wenigsten gehandelt, Gruppe 5 hat am meisten gehandelt). Es kam zu einem eindrucksvollen Ergebnis:

Quelle: BARBER&ODEAN (April 2000), Trading is Hazardous to Your Wealth: The Common Stock Investment Performance of Individual Investors, The Journal of Finance VOL. LV, NO.2

Schaut kompliziert aus, aber man kann aus dieser Grafik einige Schlüsse ziehen:
Die Rendite vor Steuern und Transaktionskosten (weißer Balken) war bei jeder Gruppe ähnlich.

Je weniger eine Gruppe gehandelt hat (grauer Balken), desto höher war ihre Rendite nach Steuern und Transaktionskosten (Schwarzer Balken).

Das ist auch logisch: Wenn die Rendite vor den Kosten ähnlich ist, schneidet am Ende der am besten ab, der die Kosten auf ein Minimum reduziert. In diesem Beispiel ist das der Anleger, der selten handelt. Es macht also Sinn, eine Aktie genauestens zu analysieren und diese dann lang zu halten, auch wenn es mal ein bisschen „bergab“ geht.

Zusammenfassung und Fazit

  • Beim aktiven Investieren wird nach Aktien gesucht, von denen vermutet wird, dass sie in Zukunft steigen.
  • Die Suche nach geeigneten Unternehmen ist sehr zeitaufwendig, kann aber durchaus interessant und bereichernd sein.
  • Aufgrund der Ordergebühren ist das Kaufen von Aktien relativ teuer, vor allem wenn man eine hohe Diversifikation erreichen will.
  • Die meisten Menschen (wenn nicht sogar alle) sind nicht in der Lage abzuschätzen, ob Aktienkurse einzelner Unternehmen in Zukunft steigen oder fallen.
  • Je öfter aktive Investoren kaufen bzw. verkaufen, desto weniger Nettorendite bleibt am Ende übrig.

Da ich noch studiere, verfüge ich nicht über das Kapital, dass meiner Meinung nach nötig ist, um sinnvoll in Aktien zu investieren. Da macht es mir das passive Investieren (nächster Blogartikel) deutlich leichter, da man hier schon mit relativ kleinen Summen einsteigen kann.
Generell finde ich aber die Idee, aktiv in Aktien zu investieren, ziemlich spannend, auch wenn ich sehr wahrscheinlich, genauso wie die meisten Privatanleger, nicht in der Lage sein werde den Markt zu schlagen.

Das bedeutet für mich also, dass ich die nächsten Jahre an meinem passiven Ansatz für die Investition meines Geldes festhalten werde und mit dem Eintritt ins Berufsleben evtl. beginne, zusätzlich einen kleinen Teil aktiv zu investieren.

Philipp

Philipp

Philipp ist Mitte 20 und am Ende seines Medizinstudiums. Er setzt sich schon seit mehreren Jahren mit den Themen Finanzen und Geldanlage auseinander. 2019 hat Philipp sich dazu entschlossen, einen Blog über diese Themen zu starten, um auch andere Menschen zu motivieren, ihre Finanzen in die eigenen Hände zu nehmen.

16 Antworten

  1. In der Studie der Duke University wurden keine Vorstände befragt, es wurden Investment Newsletter ausgewertet.
    „Der Zusammenhang zwischen ihren Schätzungen und der tatsächlichen Entwicklung war sogar unter 0.“
    Wo genau kann ich dazu einen Beleg in der Studie finden? Das würde bedeuten, dass es in den negativen Zahlenbereich geht. Wie ist das möglich? Ein vermeintlicher Zusammenhang kann nicht mehr als gar nicht zusammenhängen.

    VG
    Sanna

    1. Danke für deinen Kommentar! 🙂

      1. Du hast natürlich recht, es handelt sich um Investment Newsletter. Danke für das aufmerksame lesen, ich habe den Fehler gerade korrigiert. 🙂

      2. „In (3), the coefficient is negative in the pooled regression which is the incorrect sign.“ ; „Furthermore, for the individual investment letters only 36,1% of the sample had positive coefficients.“
      Das Wort Zusammenhang ist hier vielleicht nicht perfekt gewählt. Ich werde stattdessen „Korrelation“ verwenden.
      Natürlich kann es einen negativen Zusammenhang bzw. eine negative Korrelation geben.
      Ich glaube die Ausführung dazu würde den Rahmen sprengen, deshalb hier die entsprechenden Wikipedia-Einträge zur Korrelation (https://de.wikipedia.org/wiki/Korrelation) und zum Korrelationskoeffizienten (https://de.wikipedia.org/wiki/Korrelationskoeffizient).

      Ich hoffe, ich konnte damit deine Fragen klären. Falls nicht, freue ich mich auf einen weiteren Kommentar!

      LG
      Philipp

  2. Hallo Philipp,
    zur Diversifikation nur soviel … jeder, der sich selbständig macht, kauft nur eine Aktie (nämlich sein Unternehmen).
    Es gibt sehr viele Menschen, die nur mit einem Unternehmen (eine Aktie) sehr reich geworden sind: Zuckerberg, Bezos, Gates usw.
    Warum 800 Unternehmen per ETF im Depot?
    Ich besitze genau 7 Unternehmen (Aktien) .. reicht mir und bin zufrieden.
    Schöne Grüße
    Uwe

    1. Lieber Uwe,
      danke für dein Kommentar.

      Ich glaube, dass die Gründung eines einzelnen Unternehmens nur bedingt vergleichbar mit dem Erwerb einer einzelnen Aktie vergleichbar ist.

      Selbstverständlich gibt es Beispiele, die nur durch ein einziges Unternehmen reich geworden sind. Deutlich mehr, haben es allerdings nicht geschafft und große Teile ihres Vermögens verloren, weil sie nicht diversifiziert haben. Gerade in Zeiten wie diesen zeigt sich, dass sich eine ausreichende Diversifikation auszahlt.

      Zu der Frage „Warum 800 Unternehmen per ETF im Depot“: Weil man so sein Risiko sehr breit streut und nicht zu abhängig von der Entwicklung eines oder zwei Unternehmens ist. Zudem ist bewiesen, dass es langfristig kaum möglich ist besser als der Markt zu sein. Dass schaffen die meisten Fondsmanager kaum, also denke ich, dass ich als Privatanleger hier auch wenig Chancen habe…

      Liebe Grüße,
      Philipp

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